Ein Sonntagslunch zwischen Kaviar, Champagner und überraschenden Aromen
Besucht am 30.08.2026
Kaviar ist Luxus. Kaviar ist Tradition. Aber Kaviar kann auch ganz anders…
Genau das zeigte der Kaviar Lunch im Jellyfish eindrucksvoll. Gemeinsam mit Imperial Kaviar wurde aus einem Sonntagsmittagessen eine kulinarische Reise durch unterschiedliche Kaviarqualitäten, überraschende Kombinationen und eine ausgesprochen spannende Champagnerbegleitung.


Sechs verschiedene Kaviarqualitäten, fünf eigenes für den Lunch von Stefan Fäth kreierte Gänge und dazu fünf Champagner. Was zunächst nach einer ziemlich luxuriösen Angelegenheit klingt, entwickelte sich vor allem zu einem ausgesprochen abwechslungsreichen und lehrreichen Lunch.
Ein besonderer Sonntag im Jellyfish
Das Jellyfish in der Weidenallee gehört zu den Hamburger Adressen für moderne Fisch und Meeresküche. Unter der Leitung von Stefan Fäth verbindet das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant hochwertige Produkte mit einer modernen, international geprägten Küche.



Der heutige Kaviar Lunch war allerdings etwas Besonderes.
Kaviar ist nicht gleich Kaviar
Genau das war für mich einer der spannendsten Aspekte dieses Lunches.
Kaviar wird häufig sehr selbstverständlich als Luxusprodukt wahrgenommen. Ein kleines Schälchen, ein Löffelchen, vielleicht Blini und etwas Crème fraîche und fertig ist das Klischee vom Kaviargenuss.
Heute wurde deutlich, dass die Welt des Kaviars wesentlich vielfältiger ist.
Ein Vertreter von Imperial Kaviar war während des Lunches vor Ort und gab zu den unterschiedlichen Kaviarqualitäten jeweils einige Erläuterungen.
Und tatsächlich konnte man Unterschiede erkennen. Größe und Aussehen der Körner waren teilweise deutlich unterschiedlich. Auch Konsistenz und Mundgefühl variierten. Selbst wenn Kaviar für mich bei den einzelnen Gerichten letztlich immer eher die luxuriöse Ergänzung als der alleinige Mittelpunkt war, machte gerade dieser direkte Vergleich den Lunch so interessant.
Besonders gut gefallen hat mir dabei der Schrenckii x Baerii, weil ich ihn als besonders spannend und charaktervoll empfunden habe.
Der erste Bissen gehört dem Beluga
Bevor der Kaviar überhaupt mit einem der Gerichte kombiniert wurde, gab es zunächst den wohl klassischsten Moment des gesamten Lunches.
Eine kleine Nocke Beluga Kaviar. Pur. Auf dem Handrücken serviert. Und damit genau so, wie man Kaviar einmal probieren sollte, wenn man seinen Geschmack und seine Konsistenz unverfälscht kennenlernen möchte.

Schon optisch unterscheidet sich der Beluga deutlich von den später servierten Sorten. Die einzelnen Körner sind größer, glänzend und von einer fast silbrig schimmernden Oberfläche.
Geschmacklich zeigt sich schnell, warum Beluga als einer der großen Klassiker unter den Kaviarsorten gilt. Fein, salzig, buttrig und mit einem ausgesprochen eleganten Mundgefühl. Vor allem die Konsistenz der einzelnen Körner ist spannend. Sie platzen nicht einfach auf der Zunge, sondern geben ihren Geschmack durch die eher cremige Konsistenz nach und nach frei.
Für mich war dieser erste Bissen deshalb mehr als nur ein kleiner Auftakt. Er war der direkte Einstieg in die Welt des Kaviars, bevor das Produkt anschließend in ganz unterschiedlichen kulinarischen Kombinationen auf den Teller kam.
Zum Start gab es außerdem eine Auswahl verschiedener Brote, darunter Sauerteig und Focaccia, begleitet von einem kleinen Paprika Aufstrich.

Schon beim Blick auf die Menükarte wurde dann klar, dass heute nicht einfach sechs Mal Kaviar auf unterschiedliche Weise serviert werden würde. Stattdessen bekam jeder Gang seinen eigenen Kaviar und damit auch seinen ganz eigenen Charakter.
Irische Auster „Clam Chowder“
Den Auftakt des eigentlichen Menüs machte eine irische Auster als „Clam Chowder“ mit Salzkräutern, Zwiebel und Guinness.
Dazu wurde Kaviar „Baerii“ von Imperial Kaviar serviert. Begleitet wurde der Gang von der Cuvée Classic Brut von Deutz aus dem Vallée de la Marne.
Die Kombination war für mich ein schöner Einstieg in das Menü. Die Auster brachte die maritime Frische mit, während die kräftigeren Komponenten der Clam Chowder für Tiefe sorgten.


Der Kaviar fügte sich dabei sehr selbstverständlich in das Gericht ein.
Und genau das sollte sich durch den gesamten Lunch ziehen.
Der Kaviar war präsent, aber er drängte sich nicht in den Vordergrund.
Onsenei mit Carbonara, Aal und Apfel
Danach wurde es deutlich ungewöhnlicher. Aber auch umso klassischer, da Kaviar und Ei schon immer eine perfekte Kombination bilden.
Schon die Kombination klingt nach einem Gericht, bei dem einiges passieren kann. Und tatsächlich war dieser Gang für mich einer der Höhepunkte des Lunches.
Das Ei bringt Cremigkeit, die Carbonara zusätzliche Tiefe, der Aal eine rauchige und maritime Note und der Apfel setzt einen frischen Kontrapunkt.
Dazu der Ossetra.
Hier zeigt sich sehr schön, wie unterschiedlich Kaviar eingesetzt werden kann. Nicht als dekorativer Luxus oben auf einem Teller, sondern als Teil eines komplexen Aromenspiels.


Dazu wurde die Grande Cuvée Edition 173ème von Krug aus Reims serviert. Eine ausgesprochen schöne Begleitung zu diesem intensiven und gleichzeitig cremigen Gang.
Bretonischer Kaisergranat „Kyoto“
Mein persönliches Highlight folgte danach.
Bretonischer Kaisergranat „Kyoto“ mit Erdbeere, Verbene und Reisessig, ergänzt durch Kaviar „Selection“ von Imperial Kaviar.
Schon optisch war dieser Gang ein echter Hingucker.
Der Kaisergranat war hervorragend gegart und wurde von fruchtigen, kräuterigen und säuerlichen Komponenten begleitet. Erdbeere und Verbene bringen eine sommerliche Leichtigkeit, während der Reisessig für Spannung sorgt.
Und dann kommt der Kaviar dazu.
Hier hat für mich einfach alles zusammengepasst.
Der Kaisergranat war mein Lieblingsgericht des gesamten Lunches und gleichzeitig der Teller, bei dem mir besonders deutlich wurde, wie spannend die Kombination aus hochwertigen Meeresprodukten und Kaviar sein kann.


Dazu gab es L’Instant de Passions Rosé von Waris Larmandier aus Avize. Für mich der beste Champagner der gesamten Begleitung und eine ausgesprochen stimmige Kombination mit diesem sommerlich komponierten Gang.
Maishähnchen mit Gänseleber und Kaviar
Nach den maritimen Gängen folgte ein überraschender Kontrast.
Sous vide gegarte Brust vom Maishuhn mit Röstzwiebel, Lauch und Gänseleber. Dazu Kaviar „Schrenckii x Baerii“.
Spätestens hier war klar, dass dieser Lunch nicht einfach nur eine Aneinanderreihung klassischer Kaviar Kombinationen sein wollte.
Das Maishähnchen war zart und saftig, die Gänseleber brachte eine kräftige, luxuriöse Komponente ins Spiel. Röstzwiebel und Lauch sorgten für Würze und Struktur.
Und dazu ausgerechnet dieser Kaviar, den ich persönlich unter den verkosteten Sorten besonders spannend fand.


Auch wenn der Kaisergranat für mich noch etwas stärker war, gehört dieser Gang definitiv zu den Gerichten, die mir von diesem Lunch in Erinnerung bleiben werden.
Begleitet wurde er von einem 2014 Jules Bonnet Blanc de Noirs von Bonnet Ponson aus Chamery. Ein spannender Kontrast zu den bisherigen Champagnern und passend zu dem deutlich kräftigeren Gang.
Salzkaramell zum Abschluss
Zum Dessert wurde es schließlich süß.
Salzkaramellcreme mit Banane, Limette und Erdnuss, dazu Kaviar „Réserve“.
Auch hier wurde der Kaviar nicht einfach als Gimmick eingesetzt.
Die Kombination aus Salzkaramell, Banane, Limette und Erdnuss funktioniert bereits für sich ausgesprochen gut. Der Kaviar bringt noch einmal eine salzige, leicht herzhafte Dimension dazu.


Ein ungewöhnlicher Abschluss, der für mich sehr gut funktioniert hat.
Begleitet wurde das Dessert von einer Cuvée Tradition Demi Sec von De Sousa & Fils aus Avize.
Gerade der Demi Sec war für mich eine interessante Erfahrung. Diese Stilrichtung ist bei Champagner heute sicherlich nicht diejenige, die einem zuerst in den Sinn kommt. Gerade deshalb fand ich es schön, ihn einmal in einem solchen Kontext zu erleben.
Wenn der Lunch plötzlich endet…
Der Lunch begann pünktlich um 12 Uhr. Und bis kurz nach 15 Uhr war es ein ausgesprochen schöner, entspannter Sonntagnachmittag.
Umso überraschender kam dann das Ende: Kurz nach 15 Uhr wurde die Rechnung auf den Tisch gelegt. Ohne große Ankündigung.
Natürlich ist das organisatorisch nachvollziehbar. Ein Restaurant muss mit seinen Reservierungen und den folgenden Servicezeiten planen.
Trotzdem hätte ich mir nach einem solchen besonderen Lunch einen etwas schöneren Abschluss gewünscht.
Gerade weil der Nachmittag bis dahin so gelungen war, wirkte dieser letzte Moment ein wenig plötzlich.
Service mit Hamburger Zurückhaltung
Der Service war während des gesamten Lunches freundlich, allerdings eher reserviert.
Es war keine überschwängliche Herzlichkeit zu spüren, gleichzeitig war alles professionell und souverän.
Besonders positiv fand ich die Einbindung des Vertreters von Imperial Kaviar. Seine Erläuterungen zu den einzelnen Kaviarqualitäten haben den Lunch für mich deutlich aufgewertet.
Dadurch wurde aus einem schönen Menü gleichzeitig eine kleine Verkostung und ein Einblick in eine Produktwelt, mit der man sich im Alltag vermutlich eher selten so intensiv beschäftigt.
Mein Fazit
Der Kaviar Lunch im Jellyfish war für mich ein herausragendes Erlebnis.
Nicht nur wegen des Kaviars und nicht nur wegen der Champagnerbegleitung.
Es war vor allem die Idee dahinter, die mich überzeugt hat.
Ein hochwertiges Produkt einmal aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und dabei zu erleben, wie vielseitig es eingesetzt werden kann.
Kulinarisch war für mich jeder einzelne Gang auf seine Art phantastisch. Ein wirkliches Ranking fällt mir deshalb schwer.
Wenn ich trotzdem einen persönlichen Favoriten nennen müsste, wäre es der bretonische Kaisergranat „Kyoto“.
Dicht gefolgt vom Onsenei, dem Maishähnchen und dem Dessert. Auch die Auster war großartig.
Und beim Kaviar selbst war der Schrenckii x Baerii mein persönlicher Favorit.
Dazu eine Champagnerbegleitung, die mit dem Rosé und dem außergewöhnlichen Demi Sec zwei besonders schöne Momente für mich bereithielt.
Mein herzliches Dankeschön an das Team des Jellyfish und an Imperial Kaviar für diesen besonderen Lunch und die spannenden Einblicke in die Welt des Kaviars.
Mein persönlicher Genussmoment
Der bretonische Kaisergranat „Kyoto“.
Erdbeere, Verbene, Reisessig und Kaviar klingen zunächst nach einer ungewöhnlichen Kombination.
Auf dem Teller ergab sich daraus jedoch ein unglaublich stimmiges Gericht.
Für mich war das der Teller, bei dem alles zusammenkam: Fruchtig, frisch, leicht säuerlich, maritim und gleichzeitig luxuriös.
Der Genuss Enthusiast meint
🍽️ Atmosphäre: modern, entspannt und angenehm hanseatisch und bodenständig
🤝 Service: freundlich und professionell, dabei eher reserviert
🎨 Kreativität: ausgesprochen spannend, besonders durch die unterschiedlichen Kombinationen mit Kaviar
❤️ Würde ich wiederkommen? Ja, sehr gerne. Sowohl für einen besonderen Lunch oder eine Veranstaltung mit einem außergewöhnlichen Konzept als auch zum regulären Dinner.
💡 Besonders in Erinnerung geblieben: Der bretonische Kaisergranat „Kyoto“, der Schrenckii x Baerii Kaviar und die Champagnerbegleitung mit dem großartigen Rosé und dem ungewöhnlichen Demi Sec. Vor allem aber die Erkenntnis, wie vielseitig Kaviar tatsächlich eingesetzt werden kann.
Jellyfish by Stefan Fäth, Weidenallee 12, 20357 Hamburg, www.jellyfish-restaurant.de


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