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bidlabu | Frankfurt am Main

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Moderne Sterneküche im lebendigen Bistro

Besucht am 27.09.2026

Frankfurt und Sterneküche klingt ja ganz spannend. Für mich gehört zu einer Reise nicht nur die Stadt selbst, sondern natürlich auch die kulinarische Seite und damit gerne Fine Dining und Sterneküche. Es ist für mich immer interessant, die kulinarische Vielfalt einer Stadt kennenzulernen und dabei auch zu erleben, wie unterschiedlich Sternrestaurants sein können.

Das bidlabu ist ein Restaurant, das bewusst nicht den klassischen Weg des gesetzten Sternerestaurants geht, sondern Bistro bleibt. Lässig, urban und mitten im Geschehen.

Ich habe dort einen Abend erlebt, der mich kulinarisch deutlich mehr überzeugt hat, als es die Atmosphäre zunächst vermuten ließ.

Ankommen im bidlabu

Das bidlabu ist kein Ort, an dem man automatisch in eine stille, zurückgenommene Fine-Dining-Welt eintaucht.

Hier ist Leben.

Laute Gespräche, viel Bewegung, Stimmen. Die Atmosphäre ist lebendig, teilweise für meinen persönlichen Geschmack allerdings auch ziemlich unruhig.

Ich mag es bei einem Menü sehr, wenn irgendwann der Moment kommt, in dem die Außenwelt ein bisschen in den Hintergrund tritt und man sich ganz auf die Teller, die Aromen und den Abend konzentrieren kann.

Genau das wollte sich im bidlabu bei mir nicht ganz einstellen.

Aber dann kam das Menü.

Und das hat ziemlich schnell dafür gesorgt, dass meine Aufmerksamkeit wieder dort war, wo sie hingehört: Auf dem Teller.

Sieben Gänge, die zeigen, was das bidlabu kann

Ich entschied mich für das 7-Gänge-Menü und dazu für die Getränkebegleitung. Zum Start gab es einen Winzersekt, der leider ein wenig auf sich warten ließ, später zu Fisch und Kalb einen Weißwein.

Zu den kleinen Amuse-Gueules, einer Zwiebeltarte, einer Möhre mit gepufftem Amaranth sowie Brot mit einer Kräuter-Frischkäse-Creme, passte der Sekt von Neiss hervorragend.

Ein schöner Einstieg in den Abend.

Der Auftakt: Garnele, Apfel, Kohlrabi und Dill

Der Start ins Menü war wunderbar frisch und fein ausbalanciert.

Die Garnele bekam durch Apfel und Kohlrabi eine schöne Frische, während der Dill dem Ganzen eine klare, grüne Kräuternote gab.

Die feine Bitternote des Radicchio fügte sich wunderbar ein und gab dem Gericht noch einmal eine zusätzliche, angenehm leichte Dimension.

Ein Auftakt, der sofort Lust auf die nächsten Gänge machte.

Kokos-Curry-Suppe

Danach folgte eine leichte Kokos-Curry-Suppe mit Sesamgemüse.

Wärmer, würziger, aromatischer.

Ein Gang, der deutlich mehr Tiefe entwickelte, als es die zunächst recht unkomplizierte Kombination vermuten ließ. Und merkwürdigerweise passte die Suppe sogar hervorragend zu den draußen herrschenden spätsommerlichen Temperaturen.

Eine leichte Schärfe entwickelte sich nach und nach, wurde aber durch einen dänischen Botanical wunderbar eingefangen.

Ein spannendes Zusammenspiel von Wärme, Würze und Frische.

Aubergine mit Kichererbse, Spinat und Erdnuss

Besonders spannend fand ich anschließend die Aubergine mit Kichererbse, Spinat und Erdnuss.

Ein vegetarischer Gang, der nicht versucht, irgendetwas zu ersetzen, sondern ganz selbstverständlich für sich steht.

Cremige, nussige und grüne Aromen trafen auf unterschiedliche Texturen. Dazu kam die feine Säure der Tomate, die dem Gericht zusätzliche Frische gab.

Genau solche Gerichte machen für mich moderne Küche interessant.

Fisch des Tages

Beim Fisch des Tages, einem Kabeljau mit Ratatouille und Basilikum, wurde es mediterraner.

Ratatouille bringt ohnehin eine wunderbare aromatische Tiefe mit. Zusammen mit Basilikum und dem Fisch entstand ein Gang, der gleichzeitig leicht und intensiv wirkte.

Auch hier gefiel mir besonders, dass das Gericht nicht überladen war. Die einzelnen Komponenten hatten jeweils ihren Platz und ergaben zusammen trotzdem ein rundes Bild.

Die Garstufe des Fischs war für meinen Geschmack einen kleinen Hauch zu glasig, aber grundsätzlich war er auf den Punkt gegart und qualitativ sehr gut.

Zweierlei Kalb

Dann kam mein persönlicher Höhepunkt des herzhaften Teils:

Zweierlei Kalb, Sellerie, Pilz und PX-Jus.

Ein wunderbar aromatischer Gang.

Das Kalb stand klar im Mittelpunkt, während Sellerie und Pilz für erdige und leicht süßliche Noten sorgten. Der PX-Jus brachte schließlich die notwendige Tiefe und verband die Komponenten miteinander.

Ein zart rosa gebratenes Kalbsfilet und ein geschmortes Kalbsbäckchen. Dazu ein aromatischer Champignon und ein samtiges Selleriepüree.

Wohlfühlessen par excellence.

Für mich war das einer dieser Teller, bei denen man nach dem ersten Bissen kurz innehält.

Und dann will man eigentlich noch mehr.

Délice de Bourgogne, Aprikose und Leinsamen

Die Cremigkeit des Käses traf auf die fruchtige Säure der Aprikose und die nussigen Noten des Leinsamens. Die Präsentation auf diesem hübschen Geschirr sorgte für ein kleines Schmunzeln und so ein kleines Gefühl „wie bei Oma“.

Nicht mein persönlicher Favorit des Menüs, aber dennoch ein stimmiger Gang und ein passender Übergang in Richtung Dessert.

Dazu gab es einen Birnen-Cidre, der die fruchtigen Komponenten schön aufgriff.

Zwetschge, Cassis, Buchweizen und Joghurt

Ein schönes Finale.

Fruchtig, frisch und mit dem Buchweizen gleichzeitig etwas erdiger und strukturierter.

Gerade die Kombination aus Zwetschge und Cassis hat mir sehr gut gefallen. Dazu der Joghurt als kühlender und cremiger Gegenpol.

Kein schweres Dessert, sondern fruchtig-leicht und damit genau richtig, um den Abend angenehm ausklingen zu lassen.

Mein Fazit

Das bidlabu hat mich kulinarisch absolut überzeugt.

Die Küche ist modern, kreativ und gleichzeitig angenehm zugänglich. Es wird nicht versucht, aus jedem Teller ein kleines Kunstwerk mit möglichst vielen Komponenten zu machen. Stattdessen stehen Geschmack, Produkt und Zusammenspiel im Vordergrund.

Und trotzdem bleibt bei mir ein kleiner Vorbehalt. Nicht bei der Küche, sondern bei der Atmosphäre. Das bidlabu ist ein Bistro. Lebendig, unkompliziert und mitten im Frankfurter Geschehen.

Für mich persönlich darf ein Abend in einem Sternerestaurant allerdings gerne etwas ruhiger sein. Ich mag diese besondere Konzentration, die entsteht, wenn man für einige Stunden wirklich aus dem Alltag herausgenommen wird.

Das habe ich hier weniger empfunden. Aber vielleicht ist genau das die falsche Erwartung an das bidlabu. Denn es ist ein Bistro und bietet trotzdem Sterneküche.

Für mich bleibt deshalb vor allem die Erinnerung an ein Menü, das mir richtig gut gefallen hat, in einem Restaurant, dessen Atmosphäre einfach nicht ganz meinem persönlichen Ideal eines Sternerestaurants entspricht.

Und auch das gehört für mich zu einem ehrlichen Restaurantbericht. Denn ein Michelin-Stern bewertet die Küche. Das persönliche Erlebnis bleibt trotzdem individuell.

Mein persönlicher Genussmoment

Das Zweierlei Kalb mit Sellerie, Pilz und PX-Jus.

Ein konzentrierter, aromatischer Gang, der für mich am deutlichsten gezeigt hat, wie viel Tiefe die Küche des bidlabu entwickeln kann.

Soulfood pur!

Der Genuss-Enthusiast meint

🍽️ Atmosphäre: Lebendig, urban und ungezwungen. Für meinen Geschmack allerdings etwas zu laut und wuselig.

🤝 Service: Unkompliziert und passend zum lockeren Bistrocharakter.

🎨 Kreativität: Moderne Küche mit spannenden Kombinationen, ohne in Effekthascherei abzudriften.

❤️ Würde ich wiederkommen? Für die Küche definitiv. Ob ich beim nächsten Frankfurt-Besuch wieder das bidlabu wähle, würde ich vor allem von der Atmosphäre abhängig machen.

💡 Besonders in Erinnerung geblieben: Das Zweierlei Kalb und die Erkenntnis, dass ein Sternrestaurant nicht zwangsläufig ein ruhiger Fine-Dining-Abend sein muss.

bidlabu, Kleine Bockenheimer Str. 14, 60314 Frankfurt am Main, www.bidlabu.de

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